Ein Monat ist das Saisonende erst her, aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Weit weg ist Wettkampf- und Reisestress und auch die körperlichen Anstrengungen und Probleme sind fast vergessen. Die freie Zeit habe ich für einen kleinen Städteurlaub, einen Ausflug zum Eliteforum der Sporthilfe und zum viel Schlafen, Lesen und Filme gucken genutzt. Zwei Wochen lang konnte ich mich gänzlich ohne Trainingsplan („aktiv“ wie mein Trainer sagen würde) erholen, dann standen schon wieder die ersten Lauf- und Krafteinheiten auf dem Programm. Das Gute war, dass ich mir die Tage selber einteilen konnte, da kann man schon mal bis 10 Uhr ausschlafen und dann gegen 12 Uhr im Kraftraum eintrudeln.
Die Zeiten sind jetzt vorbei, unter Aufsicht und mit festen Terminen stehen die ersten Krafteinheiten mit Gewichten an. Ab nächster Woche trainiere ich wieder gemeinsam mit meiner Berliner Trainingsgruppe. Im Mai ist auch wieder zweimal täglich Training angesagt, damit die Grundlage gelegt wird für den spezifischen Eislehrgang im Juli.
Eine olympische Saison steht an, was für mich fast Routine ist, aber für viele jüngere Sportler aus meinem Umfeld große Spannung und Aufregung bedeutet. Das steckt dann auch an. Los ging es schon mit einem Fragebogen, in dem unsere Maße für die Olympiaeinkleidung erfasst werden sollten, eigentlich sinnlos, da sich die Körpermaße zwischen Ruhephase und Saisonhöhepunkt hoffentlich doch unterscheiden.
Die Weltcupstationen stehen für nächstes Jahr auch schon fest: Die Saison beginnt in Nordamerika, dann geht es weiter in Heerenveen und Berlin, nach Olympia folgen Inzell und Heerenveen. Besser hätte es meiner Meinung nach kaum kommen können.
Doch das ist noch weit weg, erst einmal stehen das Heimtraining im Mai, dann diverse Trainingslager auf Rad, Eis und Inlineskates an.
Morgen geht es los mit der Einzelstrecken-WM in Sotschi. Die Fernsehzuschauer können gespannt sein, denn bei der Generalprobe für Olympia wurde schon alles an Kameras installiert, was möglich ist. Die Kameramänner und Regisseure haben während unseres Trainings geübt und die Bilder auf den diversen Videoschirmen und Fernsehern waren schon spektakulär. Neben den normalen Kameras gibt es zusätzlich die mitfahrende Kamera seitlich an der Zielgerade, eine mitfahrende Kamera über der Gerade, eine Schwenkkamera über den Kurven und die Kamera im Kegel zum Kurveneingang. Mal sehen was nächstes Jahr noch als Überraschung dazu kommt.
Zeitplan:
Donnerstag: ab 16.35 Uhr (13.35 Uhr MEZ): 1500m Men, 3000m Ladies
Freitag: ab 15.00 Uhr (12.00 Uhr MEZ): 1000m Men, 1500m Ladies, 5000m Men
Samstag: ab 13.30 Uhr (10.30 Uhr MEZ): 1000m Ladies, 10000m Men, 5000m Ladies
Sonntag: ab 15.00 Uhr (12.00 Uhr MEZ): 500m Ladies/Men, Team Pursuit Ladies/Men
Das Erste überträgt ab Freitag.
Auslosungen und Ergebnisse
Nachdem ich gestern den ganzen Tag auf dem Flughafen von Amsterdam verbracht habe, da unser Flug nach Sotschi mehr als sechs Stunden Verspätung hatte, konnte ich zum Glück den heutigen Tag nutzen, um mich von der Reise zu erholen und die Umgebung des Hotels und die Eishalle zu erkunden.
Wir wohnen im "Kurort" Adler, der sich zwischen dem Olympiapark und Sotschi befindet. Nach dem Ort ist auch unsere Eishalle, die Adler-Arena benannt. Auch wenn nur wenige Ferienorte bei 8 Grad und Regen ein gutes Bild abgeben, ist das was man hier sieht schon gewöhnungsbedürftig. Der Ort ist durch Eisenbahnschienen vom Wasser getrennt und so ziehen es die Hotels vor, künstliche Strände, sprich Swimmingpools und Badeparks zu errichten hinter denen man das Schwarze Meer nur erahnen kann.
Auf dem Gelände des Hotels befindet sich ein Sportkomplex, der von russischen Ringern als Trainingszentrum genutzt wird und es kommt sogar ein wenig Trainingslageratmosphäre auf, da außer Sportlern kaum andere Leute im Hotel wohnen.
Auf dem Weg zum Olympiapark fährt man an der Baustelle für Adler Bahnhof und Autobahnanschlusstelle vorbei und man fragt sich, ob das alles für den einmaligen Gebrauch nicht ein wenig zu aufwändig ist. Spätestens wenn der Olympiapark in Sichtweite ist, weicht der Zweifel der Gewissheit, dass das IOC sich überlegen sollte, wie es in Zukunft Olympische (Winter)spiele vergeben will. Da werden riesige Eishallen und ein Olympiastadion gebaut, dazu Wohnhäuser, Hotels und ein Pressezentrum, alles vollkommen losgelöst von einer Ortschaft oder Stadt (Sotschi ist 30km entfernt). Mir gefällt das nicht besonders, da man so weder die Bevölkerung noch Olympiatouristen begeistern kann. Es wird recht deutlich, dass hier nicht eine Stadt, sondern ein ganzes Land bzw. das Geld eines ganzen Landes die Spiele ausrichten. Das Gelände sieht momentan wie ein ein Abrissgebiet aus, auf dem vereinzelt die neuen Gebäude stehen. Schlamm, Schutt und LKWs bestimmen das Bild.
Die Eishalle ist natürlich modern und schön hell, wirkt aber ein wenig unpersönlich und ist von innen nichts besonderes wenn man es z.B. mit der Olympiahalle von Vancouver vergleicht. Ziemlich cool sind die Umkleidekabinen, wo jeder Sportler in seiner eigenen Schrankwand sitzt und einen eigenen Tresor hat. Dazu gibt es Flachbildfernseher, einen Riesenspiegel und einen Kühlschrank.
Morgen werde ich dann auch das Eis testen und in den nächsten Tagen hoffentlich die Zeit finden, einmal direkt nach Sotschi zu fahren.
Das Wochenende in Heerenveen verlief für mich sehr erfreulich: Am Freitag konnte ich meinen 61. Weltcupsieg feiern und das auch noch mit einer sehr guten Zeit von 37.77s. Am Sonntag lief ich mit 38.20s eine gute Zeit und wurde Vierte und das trotz eines Fehlers am Start der wichtige Zehntel gekostet hat. In der Gesamtwertung wurde ich nach durchwachsener Saison Zweite hinter Sang-Hwa Lee.
Ich hatte viel Spaß am Schlittschuhlaufen und konnte genau das umsetzen, woran ich im Training gearbeitet habe. Die Konkurrenz ist sehr stark und es geht um Hundertstel und Tausendstel, aber wenn man sieht, dass man mit den anderen Läuferinnen mithalten kann ist das eher motivierend als frustrierend.
Die Läufe findet man auf dem ISU-Skating Channnel.
Am Freitag beginnt das Weltcupfinale in Heerenveen. Es laufen pro Strecke nur die besten Sportler, das heißt, es gibt keine B-Gruppen. Dementsprechend sind wir mit einem kleinen Team angereist und das Wochenende wird für Trainer und Betreuer weniger stressig.
Für mich geht es darum, den Platz auf dem Gesamtweltcuppodium zu verteidigen und zwei Wochen vor der WM in Sotschi noch einmal Selbstvertrauen zu tanken. Auch wenn sich der Frühling schon hier und da bemerkbar macht, ist mir die Lust auf Wintersport noch lange nicht vergangen. Ich kann die Entscheidung der ISU, das Finale und die WM so spät zu veranstalten trotzdem nicht nachvollziehen, aber es betrifft ja zum Glück alle Sportler.
Ich hoffe, dass auch die Fans noch interessiert dabei bleiben, deswegen hier noch einmal die Hinweise auf die Startzeiten/Ergebnisse und den Livestream.
Die Fernsehübertragungen aus Erfurt findet man hier noch einmal: Erster Lauf und Zweiter Lauf.
Ich bin mit dem Einstieg nach der längeren Pause zufrieden, vor allem hat es Spaß gemacht, vor (fast) heimischen Publikum zu laufen. Den zweiten Platz im Gesamtweltcup konnte ich auch verteidigen. Nachdem ich am ersten Tag mit wenigen Hundertsteln Vorsprung den 3.Platz erlaufen konnte, fehlte am zweiten Tag ein Hundertstel zum Podium. Nächste Woche kann ich gleich wieder angreifen, es geht weiter mit dem Weltcupfinale in Heerenveen.
Foto: Copyright Lars Hagen, DESGphoto, SpeedSkatingPhotos.info
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